„Sozial gerecht“ schreibt sich ohne N,P,D!

geschrieben von Nico Burmeister

21. April 2010

Die NPD ist eine der ältesten Neonaziorganisationen der Bundesrepublik. 1964 gegründet, schaffte sie es zu ihren Hochzeiten in sieben Landesparlamente. Doch nach dem Ende der ersten Ölkrise, Mitte der 1970er, verlor die NPD mehr und mehr Mitglieder und Sympathisanten, sowie finanzielle Mittel. Der Einfluss sank wieder auf ganzer Linie. Die sich wieder aufwärts entwickelnde Wirtschaft entzog der NPD ihren Nährboden, mit dem sie die Menschen für sich gewinnen wollte. Obwohl die NPD schon kurz vor ihrer Selbstauflösung stand, ist die NPD, seit dem Amtsantritt von Udo Voigt im Jahr 1996, wieder im Aufwind. Das Profil der rechtsextremen NPD hat sich die letzten Jahre grundlegend verändert.

Bürgerlich freundlich oder nationalistisch rückständig? Zunehmend versucht sich die NPD als soziale Protestpartei zu profilieren. Als „Anwalt des kleinen Mannes“ (was ist eigentlich mit den Frauen?) gehen NPD-Kader gezielt auf Dummenfang in sozial schwachen Gebieten. Mit Parolen wie „sozial geht nur national“ oder „inländerfreundlich“ verschleiern sie ihr völkisch, nationalistisches Weltbild. Durch Förderung von Sozialneid spricht die NPD zunehmend auch mittelständisches Klientel an. Mit so genannten Schulhof-Kampagnen wollen NPD und Freie Kameradschaften auch junge Menschen ansprechen, besonders Erstwähler, aber auch schon Kinder im Alter von 12 und 13 Jahren. Geschickt präsentiert sich die NPD als eine Partei freundlicher, aber entschlossener „Patrioten für Deutschland“. Dass auf geschlossenen Sitzungen nach Aussteigerberichten oft auch Anstecknadeln der 1945 verbotenen „nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei“ (NSDAP) getragen und Bücher aus Zeiten des Dritten Reichs angeboten werden, wird bei dem gutbürgerlichen Auftreten während Infoständen und im Alltag nur selten deutlich.

Was wirklich dahinter steckt. Letztlich versteckt sich hinter der NPD die alte nationalsozialistische Hetze der Nazis des Dritten Reiches. Kritik an Israel und die damit verbundene Solidarität mit den Palästinensern, verdeckt den latenten Antisemitismus. Mit Slogans wie „Kauft deutsche Produkte!“ knüpft die NPD direkt an Parolen der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) an! Das Ziel der (Neo-)Nazis ist nach wie vor das Selbe: eine totalitärer deutscher Staat, der seine Interessen in ganz Europa durchsetzen kann. So genannte Ausländer und andere Minderheiten, wie Menschen jüdischen oder muslimischen Glaubens, sollen in diesem Staat keinen Platz mehr finden. Völkisch-nationales Denken und blinder Gehorsam sollen Mitbestimmung und Toleranz ablösen.

Was hat sich geändert? Was sich allerdings geändert hat sind die Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Gezielt versuchen Neonazis mit modernem bürgerlichem Auftreten mehr Einfluss zu gewinnen. Springerstiefel, braune Hemden oder Riemengurte sind längst überholt. Neue Modemarken der Rechten, wie „Thor Steinar“ oder „Eric und Sons“, unterscheiden sich auf den ersten Blick nur noch wenig von anderen Kleidungsstücken. Durch verstecktes Auftreten können Anhänger der NPD und der Freien Kameradschaften ihre Ideologie in den Alltag einbringen ohne, dass dies ihre Mitmenschen mitbekommen. Oft wissen diese noch nicht einmal, wer sich da vor ihnen befindet. War früher noch das brutale und martialische Auftreten rechtsextremer Skinheads offensichtliches Erkennungszeichen der Faschisten, so sind diese heute weitaus schwerer zu entdecken.

Rostocker wollen NPD stoppen

21. April 2010

Zum 1. Mai hat die NPD im Rostocker Stadteil Lütten-Klein eine Veranstaltung mit 400 Teilnehmern angekündigt. Ein Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Organisationen hat zum Widerstand aufgerufen. Zwei Gegenveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern wurden angemeldet

Eine der Gegenveranstaltungen ist im benachbarten Stadtteil Evershagen geplant. Dort soll auf einem Maifest mit einem musikalischen und kulturellem Bühnenprogramm unter dem Motto „1. Mai nazifrei – Vielfalt statt NPD“ ein Anlaufpunkt für alle Rostocker geschaffen werden. Für den Rostocker Landtagsabgeordneten der Linken, Wolfgang Methling, ist es wichtig, dass die Rostocker Bürger bei allen Aktionen dabei sind. Ein Bild, bei dem die NPD demonstriert, Gegendemonstranten versuchen, den Weg zu versperren und die Lütten Kleiner schauten vom Balkon aus zu, dürfe es nicht geben. „Wir wollen nicht, dass die Nazis die Straße beherrschen“, so Methling. Vize-Bürgerschaftsvorsitzende Ingrid Bacher (SPD) begründete die unmittelbare Nähe zum NPD-Geschehen damit, dass die Menschen in Lütten-Klein nicht allein gelassen werden dürften. Die Bürgerschaftsabgeordnete der Sozialistische Alternative, Christine Lehnert, kündigte den Versuch an, den Aufmarsch der NPD blockieren zu wollen. Es gebe genügend bundesweite Beispiele, wo solche Vorhaben mit friedlichen Mitteln gelungen seien. Die Gewerkschaften haben zur Teilnahme an der traditionellen Demonstration am Werftdreieck und zum Straßenfest am Gewerkschaftshaus in der Innenstadt aufgerufen. Der Vorsitzende der DGB-Region Rostock-Schwerin, Thomas Fröde, betonte, dass die Gewerkschaft die Demonstrationsaufrufe unterstütze und jeden demokratischen Protest gegen die NPD befürworte. Mit einer zweiten Aktion, zu der er 300 Teilnehmer erwartet werden, solle die Innenstadt davor bewahrt werden, dass die NPD dort demonstrieren kann.

5.000 Statement für NPD-Verbot erreicht

geschrieben von Axel Holz

19. April 2010

Die Kampagne nonpd der VVN-BdA für ein Verbot der verfassungswidrigen NPD hat ihr selbst gestecktes Ziel erreicht.

Am 15. April wurden bundesweit 5.000 Statements auf der Internetseite www.nonpd.de eigegeben, davon 581 aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Kampagne der VVN-BdA läuft bis zum 8. Mai 2010 weiter. Die persönlichen Statements sollen dann, in ein Buch gebunden, den Innenministern der Länder übergeben werden. Bereits acht Inneminister haben sich für ein Verbot der NPD ausgesprochen. Darüberhinaus fordern neben SPD, Die Linke, ver.di und DGB auch der Zentralrat der Juden in Deutschland und der Zentralrat der Sinti unf Roma ein Verbot der neofaschistischen NPD.

Die fünf dümmsten Gründe gegen ein NPD-Verbot

geschrieben von Nico Burmeister

19. April 2010

Oft wird über das Für und Wider eines NPD-Verbotes diskutiert. Ob nun ranghohe Politiker oder einfacher Bürger am Stammtisch: viele Meinungen und Argumente gab und gibt es. Auffällig dabei ist, dass je heftiger gegen ein Verbot angeredet wird, die Argumente immer obskurer werden. Wir wollen deshalb an dieser Stelle einmal die fünf – nun nennen wir es „unbedarftesten“ – „Argumente“ gegen ein NPD-Verbot dokumentieren:

1. Solange die NPD nicht verboten ist, können wir sie mit Hilfe der V-Leute kontrollieren. Fakt ist, dass niemand die NPD kontrolliert, im Gegenteil. Die viel beschworenen V-Leute sind keine vom VS eingeschleusten Agenten, sondern vom Staat bezahlte Neonazis, die gegen tausende von Steuerzahler-Euros Informationen über die rechte Szene liefern sollen. Während des ersten Verbotsverfahren meldeten sich dutzende V-Leute in den höchsten Kreisen der NPD, was zur Einstellung des Verfahrens führte. Mittler Weile haben mehrere Landesinnenminister zugegeben, dass „die V-Leute keinerlei Informationen geliefert haben, an die nicht auch auf anderem Wege zu kommen sei.“

2. Die NPD ist eine normal zugelassene Partei. In Deutschland werden Parteien nicht „zugelassen“, sie werden schlicht gegründet. Es gibt keine Zensurstelle, an der vor der Initialisierung einer Partei etwa Grundsatzpapiere oder Ähnliches eingereicht werden müssen.

3. Wenn die NPD verboten ist, beschneiden wir das demokratische Recht der Menschen, diese Partei zu wählen. Die Entnazifizierungsgesetze des Alliierten Kontrollrates verbot bereits 1945 die Gründung von (neo-)faschistischen Nachfolgeorganisationen. Diese Gesetze sind immer noch in Kraft. Es gibt kein Recht auf Hass und Unterdrückung gegenüber anderen Menschen.

4. Die NPD ist demokratisch, das zeigt doch schon der Name „nationaldemokratisch“. Wieso sollte sie verboten werden? Die NPD wurde 1963 gegründet. Sie bestand von Anfang an aus ehemaligen hochrangigen NSDAP Funktionären, ehemaligen Angehörigen der Waffen SS und anderen nationalsozialistischen Organisationen des Dritten Reiches. Wie demokratisch die Wurzeln dieser Partei sind, kann also jeder Schüler in seinem Geschichtsbuch nachlesen.

5. Schlechter als die anderen Parteien kann es die NPD doch auch nicht machen. Die NPD propagiert ein völkisch-nationalistisches Weltbild. Sie will Menschen, anderer Sprache, Herkunft, Glaubens und/oder Hautfarbe abschieben oder einsperren. Mehr als einhundert Menschen sind seit 1990 durch Neofaschisten ermordet worden, die in den meisten Fällen enge Kontakte zu NPD-Kadern oder Mitglieder hatten oder sogar selbst der NPD angehörten. Ende August 2009 führte die Polizei bei einem Funktionär der „Jungen Nationaldemokraten“, der Jugendorganisation der NPD, in Lörrach eine Durchsuchung durch und fand kiloweise Chemikalien zum Bau einer Bombe. Welche andere Partei will seine Mitmenschen in die Luft sprengen?

Darum fordern wir: NPD-Verbot jetzt!

Mehr Infos gibt´s unter: www.npd-verbot-jetzt.de.

Landesgedenkstättenseminar

14. April 2010

15.04.2010

Landesgedenkstättenseminar

geplant bis zum 16.04.2010

Donnerstag, 15. April 2010, wird nachgereicht

Parchim

Donnerstag, 15. April 2010, wird nachgereicht Parchim

Radtour auf der Todesmarschstrecke

12. April 2010

Eine Fahrradtour auf der Todesmarschstrecke der KZ-Häflinge im Jahre 1945 aus den KZ Sachsenhausen und Ravensbrück bis zu ihrem Befreiungspunkt nahe Schwerin – das war die Idee der VVN-BdA in Schwerin, um das 65. Jahr der Befreiung vom Faschismus zu würdigen. Gleichzeitig sollte der Kampagne für ein Verbot der neofaschistischen NPD noch einmnal ein Schub gegeben werden.

Tatsächlich war vielen Besuchern der VVN-Stände auf der Strecke die Kampagne noch nicht bekannt. Eine Gelegenheit, v.a. in Brandenburg für ein NPD-Verbot und die Arbeit der VVN-BdA zu werben. Von Sachsenhausen über Neuruppin, Wittstock und Parchim nach Schwerin führte die über 200 Kilometer lange Strecke, die verschiedene Teilnehmer abschnittsweise begleiteten. So beteiligten sich zwölf Jugendliche des Vereins „Mittendrin“ an Pflegearbeiten am Denkmal für zwölf ermordete KZ-Häftlinge in Wukow und begleiteten den Fahradcorso bis Neuruppin. Der linke Jugendverein organisierte seit 1993 erfolgreich ein Wohnprojekt, bietet Bildungs- und Kulturarbeit sowie touristische Angebote an. Mehrfach war der Verein Ziel rechtextremer Anschläge. In Neuruppin unterstützte der Kreisverband der Linken unter Achim Behringer mit einem Stand das Anliegen der VVN-BdA, Statements für ein NPD-Verbot zu sammeln. Bis nach Wittstock begleitete die Bundestagsabgeordnete der Linken Kirsten Tackmann die Fahrradgruppe auf ihrem Drahtesel. In Wittstock begrüßte der parteilose Bürgermeister Jörg Gehrmann neben Vertretern der Linken die Gruppe und kam mit den Beteiligten ins Gespräch. Er regte an, in Zukunft regelmäßig in Wittstock mit einer Gedenkveranstaltung an den Todesmarsch zu erinnern. Die längste Etappe führte mit über 80 Kilometern über die Gedenkstätte im Belower Wald nach Parchim. Im Belower Wald lagerten zehntausende Häftlinge mehrere Tage lang unter unvorstellbar unmenschlichen Bedigungen. Hunderte von ihnen wurden von der SS-Begleitmannschaft ermordet. Auf der gesamten Strecke von Ravensbrück über Parchim bis nach Schwerin waren in allen Orten die gut erhaltenen Gedenkschilder an den Todesmarsch der KZ-Häflinge zu sehen – zur Erinnerung und Mahnung, wie die Aktion der VVN-BdA.

Flucht und Vertreibung – ein kritischer Einspruch

7. April 2010

08.04.2010

Flucht und Vertreibung – ein kritischer Einspruch

Vortrag von Prof. Heinrich Fink

Donnerstag, 08. April 2010, 18 Uhr

Schwerin, Schleswig-Holstein-Haus

Donnerstag, 08. April 2010, 18 Uhr Schwerin, Schleswig-Holstein-Haus

Fahrradtour Sachsenhausen-Schwerin

30. März 2010

geplant bis zum 03.04.2010

31.03.2010

Fahrradtour Sachsenhausen-Schwerin

geplant bis zum 03.04.2010

Die Fahrradtour wird entlang der Todesmarschstrecke 1945 führen. Auf der Tour werden Gedenkstätten besucht und an Ehrenmalen Pflegearbeiten durchgeführt.

Mittwoch, 31. März 2010, ?

Start ist in Sachsenhausen

Ende ist in Schwerin

Mittwoch, 31. März 2010, ? Start ist in Sachsenhausen Ende ist in Schwerin

Kapp-Putsch vor 90 Jahren abgewehrt

geschrieben von Joachim Aust

9. März 2010

Vor 90 Jahren wurde der reaktionäre Kapp-Putsch konservativ-monarchistischer Kräfte durch einen Generalsstreik erfolgreich abgewehrt. Bis heute gibt es Versuche, die Rolle der militanten Freikorps schönzureden.

Es geschah in den Tagen vom 13. -17. März 1920. Gestützt auf Teile der Reichswehr unter dem Befehl des Generals Lüttwitz in Berlin und Freikorps, wie der „Marinebrigade Erhardt“, versuchten extrem reaktionäre Kräfte unter der Führung von Generallandschaftsdirektor Kapp, die Macht in Deutschland an sich zu reißen. Das Ziel der Putschisten war die Beseitigung der ihnen verhassten „Weimarer Republik“ und mit ihr der Demokratie. Die Erfüllung der Versailler Verträge sollte so verhindert werden, insbesondere die hierin geforderte Auflösung der Freikorps. Die Reaktionäre beschworen damit kurze Zeit nach Kriegsende zugleich die Gefahr einer Wiederaufnahme der Kriegshandlungen durch die Alliierten des 1. Weltkrieges. Während die Reichswehr sich weigerte, gegen die Putschisten vorzugehen, erzwangen schließlich Massendemonstrationen, Arbeiteraufstände und ein Generalstreik das Scheitern der Machtübernahme durch die Rechtsextremen. In Mecklenburg-Schwerin wurde die demokratisch gewählte Regierung von Kapp-Anhängern verhaftet und an ihre Stelle eine Regierung unter dem Putschisten Dr. Wendehausen eingesetzt. Zum Kampf gegen die rechtsradikalen Meuterer bildeten Vertreter von SPD, USPD, KPD und Gewerkschaften „Aktionsausschüsse“, die den Kampf gegen die Kappisten erfolgreich leiteten. Zu den Maßnahmen der Verteidiger der Republik gehörten Generalstreik, Demonstrationen, die Besetzung wichtiger Einrichtungen und Behörden und die Beschlagnahme illegaler Waffenlager mit Hilfe von Arbeiterbataillonen in einer Stärke von insgesamt etwa 10.000 Personen allein in Mecklenburg-Vorpommern. So wurden beispielsweise bei Katelbogen 700 als „Zeitfreiwillige“ aufgestellte reaktionäre Rostocker Studenten und Offiziere von den Arbeiterbataillonen nach kurzem Gefecht verhaftet. Mit welchen Mitteln die Reaktion gegen Demokraten vorging, wurde am 14. März 1920 in Schwerin deutlich: Kapp-Anhänger erschossen auf einer Demonstration gegen den Putsch 14 Zivilisten, darunter zwei Frauen. Doch die Kraft der vereint agierenden Demokraten war schließlich stärker. Am 17. März mussten die Putschisten aufgeben. Genau ein Jahr nach dem Putsch siegte bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern die SPD. Gemeinsam ergriffen die erfolgreichen Demokraten mit der Landesregierung Maßnahmen, um erneute Putschversuche zu verhindern. Unter Führung von Ministerpräsident Johannes Stelling und dem ihm unterstehendem Polizeichef Oberst Lange wurden Waffenlager der Rechtsradikalen ermittelt und beschlagnahmt. Zugleich wurde der Arbeit rechtsradikaler Organisationen eingeschränkt und später verboten. Der Traum der Demokratiefeinde von einer „weißen Armee“ gegen die Republik erfüllte sich sowenig, wie der zwei Jahre später erfolgte Hitler-Putsch. Das konsequente Handeln der Demokraten hatte nicht nur die Republik gerettet, sondern auch gezeigt, dass Verbote gegen die Feinde der Demokratie ein wirksames Mittel für den Rechtstaat sein können. Diese Konsequenz wäre heute auch gegenüber der verfassungswidrigen NPD notwendig, die die Demokratie abschaffen will und gern die Geschichte in ihrem Sinne umschreibt. Etwa mit einem Antrag im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns zur Darstellung der vermeintlichen Leistungen der Freikorps gegen die „bolschewistische Gefahr“ im Unterricht der Schulen in bewährter Feindbildmanier. Vom Schutz der Republik durch die Demokraten gegen die Putschisten war da kein Wort. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch – hieß es zu Recht bei Brecht!

Nordkonferenz mit guter Resonanz

geschrieben von Raimund Gaebelein/Hartmut Büchsel

6. März 2010

Die diesjährige Nordkonferenz am 27./28. Februar in Heideruh hatte den Nerv vieler AntifaschistInnen getroffen. Über vierzig Teilnehmer waren der Einladung der Neofaschismuskommission Küste gefolgt.

Das Programm musste kurzzeitig etwas umgestellt werden, was aber die mehr als 40 TeilnehmerInnen nicht davon abhielt zu kommen und mitzudiskutieren. Bernd Meimberg spann den Roten Faden durch die Entwicklung der globalen Friedensfrage nach Beendigung des Kalten Krieges. Schon Bundespräsident Herzog sprach recht deutlich von den Erfordernissen einer globalen deutschen Außenpolitik. Unter Kohl und Kinkel wurden die Weichen gestellt, um deutsche Interessen nach außen zur Geltung zu bringen. Im Widerspruch zu Artikel 26 des Grundgesetzes, der bereits Vorbereitungen zum Angriffskrieg verbietet, wurde unter Generalinspekteur Naumann 1991 dargelegt, dass die Sicherung der Rohstoffwege und der Rohstoffquellen zum Verteidigungsauftrag gehörten. Die politisch-strategischen Vorstellungen sind auf Einschätzungen des amerikanischen Präsidentenberaters Zbigniew Brzezinski zurückzuführen. Verstärkt wurde die Kooperation mit Europa auf militärischem wie wirtschaftlichem Gebiet gesucht. In den Mittelpunkt des US-Interesses rückte die Beherrschung der Öl- und Gasvorkommen Zentralasiens. Die EU-Osterweiterung sollte Hand in Hand mit einer Vergrößerung der NATO über die Ukraine bis in den Kaukasus betrieben werden. Die Aussage des damaligen SPD-Verteidigungsministers Struck, die Bundesrepublik müsse am Hindukusch verteidigt werden, belegt die zunehmende globale Bündelung imperialer Interessen. Die Einbeziehung Russlands in die G8-Gruppe, ihre Erweiterung um Brasilien und andere Schwellenländer zu G20 schuf ein Klima wachsenden Drucks, Rohstoffe und Verkehrsverbindungen den Interessen der Global Players unterzuordnen. In Afghanistan operieren heute die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich ohne UNO-Mandat, während die Bundeswehr und andere EU-Partner unter dem Schirm des ISAF-Einsatzes verstärkt zu Kampfeinsätzen heran befohlen werden. Die Anordnung des Luftangriffs auf Zivilisten an den Tankwagen bei Kundus ist nun ein Versuch gewesen, die Begrenzung des Artikels 26 zu sprengen und die direkte Einflussnahme deutscher Interessen stärker zur Geltung zu bringen. Es scheint die Herrschaften nicht zu stören, dass 70% der Bevölkerung eine ablehnende Haltung gegenüber dem Kriegseinsatz einnimmt. Unsere Nachbarstaaten wie die Niederlande gehen einen anderen Weg. Eingebettet in die friedenspolitischen Themen der Nordkonferenz war ein Workshop zum Thema „Rechte Musik“. Der Referent war Christian Waclawczyk aus Berlin, ursprünglich Lehrer, später freiberuflich tätig mit dem Schwerpunkt „Jugendkultur aus dem rechten Segment“. Für Waclawczyk war der Auftritt am Sonnabend eine Premiere: Bisher hatte er eher PädagogInnen, Soldaten der Bundeswehr, Polizisten, oder das LKA mit diesem Thema konfrontiert; der Auftritt vor AntifaschistInnen war ein Novum für ihn. Das Publikum im Alter von 16-96 Jahren füllte die Kantine von Heideruh bis auf den letzten Platz. Der Referent stellte zunächst seine Leitfragen vor: Wie ticken die rechten Musiker? Wie schulen sie ihr Publikum? Was steckt dahinter? Wie sieht das skizzierte rechte Weltbild aus? Ausgehend von diesen Leitfragen verdeutlichte W., dass die neofaschistischen Musiker ihre Musik und die unterlegten Texte sowohl für die Straße als auch für den „Nadelstreifenanzugträger“ erstellen. Text und Musik für die Straße ist eher „eine Mischung aus Verarsche und Provokation“ und arbeitet vor allem mit dem Tabubruch. Gleichzeitig aber geht es auch darum, das Publikum nicht zu verschrecken; so ist auffällig, dass die Musik häufig an bekannte Melodien z.B. aus der Volksmusik andockt und dabei Schnipsel aus rechter Ideologie unauffällig untermischt, z.B. ein immer wiederholtes Bekenntnis „für Deutschland“, „gegen Bonzokraten“ etc., sodass für den eher unbedarften Zuhörer keine scharfe Trennungslinie zwischen dem bekannten Text und rechts gefärbten Bekenntnissen erkennbar ist. Rechte Musik richtet sich dabei an ZuhörerInnen aller Altersklassen. Der Referent stellte uns eine ganze Reihe von Text- und Musikbeispielen vor, vom neofaschistischem Liedermacher Frank Rennicke über Annett Moeck bis zu dem US-amerikanischen DJ Gor. Rennicke knüpft von der Musik her häufig an z.T. anspruchsvollee Musik, etwa aus Irland, aber auch an Hannes Wader an und verbindet diese mit Texten, die wesentliche Elemente faschistischer Ideologie, wie Sozialdarwinismus (Das Leben ist immerwährender Kampf), Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus enthalten. Dabei arbeitet er eher mit Andeutungen, die Eingeweihte sofort verstehen, die dem unvorbereiteten Zuhörer jedoch nicht sofort auffallen. Wen wundert es, dass bundesdeutsche Juristen so gut wie nie einen Anlass zum Einschreiten sehen!! Erschreckend für die in Heideruh versammelten AntifaschistInnen war ein relativ aktuelles Musikbeispiel des US-amerikanischen DJ Gor aus dem Jahr 2009, der die bekannten 10 Fragen des Nazi-Propagandaministers Goebbels aus seiner Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 an das ausgewählte Publikum „Wollt ihr den totalen Krieg?….“ mit aktueller jugendtypischer Musik unterlegte. Das Ganze ist bezeichnenderweise völlig ungehindert im Internet abzurufen und auch als Video zu konsumieren. Eine wesentliche Rolle spielt auch das Nazi-Frauenbild, das der Referent am Beispiel von Texten Rennickes, aber auch Annett Moecks aufzeigte. Neben den klassischen Elementen „Die Frau als Mutter und Quelle des Lebens“ waren auch neuere und in der Naziszene nicht unumstrittene Leitbilder zu erkennen, nämlich die (Elite-) Frau als politische Kämpferin. Die versammelten AntifaschistInnen, darunter sehr viele Jugendliche, beschränkten sich aber nicht nur auf das Zuhören, sondern sorgten für eine engagierte Diskussion. Imponierend dabei der 96jährige Antifaschist Walter Hähnel aus Lübeck, der sich mit seinen Erfahrungen einbrachte und den jungen Menschen berichtete, wie die Goebbelsche Sportpalastrede auf ihn und seine Zeitgenossen wirkte. Bezogen auf die vermittelten Inhalte war der Nachmittag sicherlich ein Höhepunkt; schade nur, dass bei der hohen Teilnehmerzahl Zeitmangel, die Räumlichkeiten und die Planung des Referenten den eigentlich vorgesehenen Workshopcharakter kaum möglich machten. Die andere Seite globaler Kriegseinsätze der Bundeswehr beleuchtete Ulrich Sander am Sonntag. Mit einer Verkürzung der Wehrdienstzeit soll die Zahl der zur Verfügung stehenden Reservisten erhöht werden. Für Auslandseinsätze kommen angesichts der komplizierten Technologie eher Langzeitfreiwillige in Betracht. Mit Erhöhung der Reservistenzahl einher geht die Verlängerung der Verfügungsbereitschaft von 45 auf 60 Jahre. Mit der Ausweitung der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit werden an die fünf Millionen Reservisten sofort einsetzbar. Heiligendamm deutete eine neue Qualität an: bislang beschränkte sich der Einsatz der Bundeswehr auf Katastropheneinsätze nach Anforderung durch die zivile Verwaltung. Die Ausweitung der Einsatzgebiete wurde mit den Notstandsgesetzen auf den Spannungs- und Verteidigungsfall erweitert. Am Grundgesetz vorbei wird nun die Bundeswehr in Afghanistan zur Einsatzleitung für die Aktivitäten humanitärer Gruppen. In der Bundesrepublik sind Oberbürgermeister und Landräte gehalten, ihre Verwaltung, Technisches Hilfswerk, Sanitätsdienste, Feuerwehr bei Großereignissen mit den Möglichkeit der Bundeswehr abzugleichen. Bei den Innenministerien werden Verbindungsoffiziere zur Bundeswehr angesiedelt. Der Einsatz von Tornados und Hubschraubern zur Einschüchterung der G8-GegnerInnen in Heiligendamm deutet an, in welche Richtung Großereignisse angedacht werden: Streiksituationen im Energie- und Entsorgungsbereich, Verkehrs- und Nachrichtenzentralen, Konzernsitze. Im Ernstfall soll auf Reservisten zurückgegriffen werden können, die einsatzbereit sind. Der Einsatz von Jugendoffizieren an Schulen und von Arbeitsplatzberatern der Bundeswehr in den ARGEN wird verstärkt. Die Nordkonferenz schloss mit Berichten aus Kreisen und Ländern mit einer Reihe wichtiger und interessanter Mitmachtermine. Im Mittelpunkt der nächsten Nordkonferenz in einem Jahr soll ein Vortrag von Prof. Dr. Ludwig Elm, bis 1991 Geschichtswissenschaftler an der Universität Jena, zum Thema Konservatismus als geistige Grundlage für eine Grauzone zum Neofaschismus und militaristischen Denken stehen.

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