Rostocker Friedensbündnis zu den Ereignissen am Weltfriedenstag 2012 in Rostock

10. September 2012

Am Sonnabend, dem 1. September 2012, hielt das Rostocker Friedensbündnis auf dem Universitätsplatz in Rostock seine traditionelle Veranstaltung zum Weltfriedenstag ab.

Ab 10 Uhr waren Informationsstände aufgebaut und die Mitglieder verteilten den Aufruf des Rostocker Friedensbündnisses und eine aktuelle Zeitung der Friedensbewegung an Passanten. Von 16 bis 17 Uhr fand eine Kundgebung mit Redebeiträgen statt.

Bereits am Vormittag verteilten Mitglieder zweier politischer Gruppen aus Rostock in der Nähe der Informationsstände ein Flugblatt, das gegen den Aufruf des Rostocker Friedensbündnisses gerichtet war. In dem Titel des Aufrufs, „Hände weg von Syrien und Iran! Bundeswehr raus aus Schulen und Hochschulen!“ glaubten die Verfasser eine profaschistische und antisemitische Forderung zu erkennen. Bereits vor dem 1. September hatten sie mit einem Plakat zur Störung der Weltfriedenstagsveranstaltung aufgerufen. Gesprächen mit Mitgliedern des Rostocker Friedensbündnisses wichen sie aus.

Mit Beginn der Kundgebung stellten sich Mitglieder der beiden Gruppen mit Fahnen Israels, der USA sowie der Antihomophoben Aktion vor den Informationsständen auf. Während am Mikrofon gesprochen wurde, riefen sie im Sprechchor Losungen. Auf verbale Versuche von Mitgliedern des Rostocker Friedensbündnisses, sie zum Verlassen des Platzes zu bewegen, reagierten sie nicht. Stattdessen fuhren sie fort, die Stände der Kundgebung mit ihren Fahnen zu verdecken. Eine Wahrnehmung des Anliegens der Kundgebung des Rostocker Friedensbündnisses für Passanten war nicht mehr gegeben. Daraufhin veranlasste die Versammlungsleiterin der Kundgebung des Rostocker Friedensbündnisses die Polizei einzugreifen. Damit wurde diese Störung der Kundgebung des Rostocker Friedensbündnisses beendet. Das Rostocker Friedensbündnis ist bereit, Interessenten die Situation auf dem Universitätsplatz am 1. September und sein eigenes Handeln näher zu erläutern.

In teilweise sehr emotional gehaltenen Einträgen auf verschiedenen Blogs verbreiten die beiden Gruppen seitdem Unwahrheiten über Äußerungen des Rostocker Friedensbündnisses und den Hergang der Ereignisse am 1. September. Insbesondere beschuldigen sie wider besseres Wissen eine einzelne Person aus dem Rostocker Friedensbündnis, den Polizeieinsatz ausgelöst zu haben. Darüber hinaus versucht ein parteigebundenes Mitglied einer der beiden Gruppen auf der Internetseite des Rostocker Verbandes seiner Partei, politische Gegner seiner Partei zu Stellungnahmen herauszufordern.

Das Rostocker Friedensbündnis erklärt hierzu: Das Verhalten dieser beiden Gruppen dient weder der begrifflichen Klarheit in der politischen Diskussion noch ihrem eigenen Zusammenhalt und ihrem Ansehen im politischen Raum. Vor allem aber dient es in keiner Weise dem Anliegen irgendeiner der am Nahostkonflikt beteiligten Seiten, ganz zu schweigen von der Lage der dortigen Zivilbevölkerung, deren Verbesserung die besondere Aufmerksamkeit des Rostocker Friedensbündnisses gilt. Das Rostocker Friedensbündnis fordert die beiden Gruppen auf, nicht wahrheitsgemäße Darstellungen zu widerrufen und Anschuldigungen gegen politische Gegner einzustellen. Zu gegebener Zeit wird es den Gruppen ein Gesprächsangebot zu inhaltlichen Fragen des Weltfriedenstages unterbreiten.

„Zeitenspringer“ auf Spurensuche in Parchim

geschrieben von Elvira Grossert

29. August 2012

Schüler der Goethe-Schule Parchim erforschen Denkmale der Stadt / Zeitzeugen und alte Fotos gesucht

Sie fallen in ihrem Zeitenspringer-T-Shirt im Parchimer Stadtbild auf. Acht Schüler der 8. Klassen der Goethe-Realschule Parchim sind im Rahmen des Jugendgeschichtsprogramms „Zeitensprünge“ der Stiftung Demokratische Jugend auf Spurensuche in der Stadt unterwegs. Gemeinsam mit der Sozialkundelehrerin der Schule, Frau Kraeplin, erforschen sie, welche Denkmale nach der Befreiung an Orten nationalsozialistischer Verbrechen im Altkreis Parchim errichtet wurden. Ihre Suche beginnt zunächst in der Stadt Parchim. Das besondere Augenmerk gilt den Erinnerungszeichen aus der Zeit vom Kriegsende bis zum Ende der 50er Jahre. Die Jugendlichen interessiert, wer die Gedenksteine und -tafeln initiierte, wann sie aufgestellt wurden, welche Veränderungen es gab und wie diese Erinnerungszeichen heute aussehen. Ziel ist die Anfertigung einer Dokumentation mit historischen und aktuellen Fotos, sowie einer umfassenden Beschreibung des jeweiligen Erinnerungszeichens. Die Spurensuche der Parchimer Goethe-Schüler erfolgt mit der maßgeblichen Unterstützung der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Auf Initiative der Gedenkstättenleiterin Ramona Ramsenthaler entstand bereits eine ähnliche Fotodokumentation der „Erinnerungszeichen der 40er und 50er Jahre“ für die Region Ludwigslust. Der Auftakt des Parchimer Projektes erfolgte am 13. Juni am Gedenkplatz in Wöbbelin.

Jetzt, im neuen Schuljahr, fotografieren Marco, Nadja, Hannes und die anderen Schüler der Regionalen Schule die Erinnerungszeichen. Im Laufe der nächsten Monate wollen sie in Archiven, Museen und anderen Einrichtungen nach alten Fotos und Dokumenten zur Geschichte der Denkmale suchen. Hilfe bekommen die Schüler der 8a und 8b von Frau Kimmen, Sachbearbeiterin für Grünflächen und Friedhöfe und dem bekannten Heimatforscher Eberhard Schultze. Die ersten Arbeitsergebnisse werden am 8. November beim Jugendgeschichtstag im Schweriner Schloss vorgestellt. Die Goethe-Schüler suchen für ihr Vorhaben Zeitzeugen, die bei der Einweihung der Erinnerungszeichen dabei waren bzw. die Umgestaltungen verfolgt haben. Auch über historische Fotos und Dokumente zu den Denkmalen freuen sich die „Zeitenspringer“.

Kontakt: Regionale Schule „J.W. von Goethe“ Parchim, Frau Kraeplin, Wallallee 1, 19370 Parchim, Telefon 03871 4226590

Antifaschistische Demonstration durch Rostock-Lichtenhagen

24. August 2012

25.08.2012

Antifaschistische Demonstration durch Rostock-Lichtenhagen

Grenzenlose Solidarität! 20 Jahre nach dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen

Samstag, 25. August 2012, 14.00

S-Bahn Lütten Klein

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Samstag, 25. August 2012, 14.00 S-Bahn Lütten Klein

Sachsenhausen-Gedenklauf am 6. Mai 2012 in Schwerin

12. Mai 2012

Liebe Läuferinnen und Läufer, sehr geehrte Frau Landtagsvizepräsidentin, ich begrüße Sie zum 47. Sachsensenhausen-Gedenklauf. Der Lauf erinnert an den Todesmarsch der Häftlinge des KZ Sachsenhausens, der hier am 2. Mai 1945 an der Störbrücke in Raben Steinfeld endete.

Mehr als 30.000 KZ-Häftlinge wurden am 21. April 1945 zu Marschkolonnen zusammengefasst und unter unmenschlichen Bedingungen in Richtung Lübecker Bucht getrieben. 6.000 Häftlinge überlebten die Tortur nicht. Sie starben an Entkräftung oder wurden von SS-Leuten ermordet. Mit dem Sachsenhauslauf wird in Schwerin seit mehreren Jahrzehnten eine Tradition verfolgt, die sinnvoll und gut ist. Der Lauf erinnert an die Opfer der Nazi-Tyrannei, die für Tausende Häftlinge auf der Todesmarschstrecke bis kurz vor Schwerin mit dem Tod endete. Der Lauf erinnert aber zugleich daran, dass die Ursachen für den sinnlosen Tod dieser Menschen aus allen Teilen Europas und Millionen anderer Opfer des NS-Regimes weit vorher ansetzen. Wir erinnern daran, dass Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland und anderen Ländern weit verbreitet waren und den Nazis den Anknüpfungspunkt für Ihre legale Machtergreifung gab. Der Weg führte von der systematischen Diskriminierung von Andersdenkenden und Minderheiten, über deren rechtliche Ausgrenzung schließlich zur Deportation und Ermordung von Millionen Menschen. Wir erinnern zugleich daran, dass profitgierige Unternehmen und Banken mit ihrer Zuwendung zu den Nazis bereits seit Beginn der dreißiger Jahre einen absehbaren Krieg mit Millionen Opfern in Kauf nahmen, an dem sie gut zu verdienen hofften und gut verdienten. Wir wollen mit diesem Lauf aber auch daran erinnern, dass in Europa und speziell in Deutschland neue Nazis und Rechtspopulisten an die originalen Ideen der alten Nazis anknüpfen und mit antisemitischen, rassistischen und kulturellen Vorurteilen Hass und Ausgrenzung schüren. Im Landtag von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern versuchen NPD-Politiker, der von ihr praktizierten Diskriminierung von Minderheiten die rechtliche Ausgrenzung folgen zu lassen – etwa mit der Forderung nach einer „Volksgesundheitskasse“, aus der 16 Millionen Ausländer und Migranten nach ihrer Lesart ausgeschlossen werden sollen. Oder mit dem Gerede über einen angeblichen „Bombenholocaust“, mit dem Ursachen und Folgen des Krieges verdreht werden. Modifiziert ist hierzu in den Parlamenten von Magdeburg, Cottbus, Heilbronn und Schwerin ein Antrag der NPD eingegangen, der aus dem Leid der Bombenopfer des Krieges nationalistisches Kapital zu schlagen versucht. Wir erinnern auch an die neuen Opfer der neonazistischen Gewalt heute, an 180 Todesopfer seit 1990, an jährlich 800 Gewalttaten sowie jährlich bis zu 20.000 Straftaten mit neofaschistischem Hintergrund. Mit dem Sachsenhauslauf wollen wir zugleich an die Notwendigkeit eines NPD-Verbotes erinnern. Damit verschwindet zwar Nazi-Gedankengut nicht automatisch. Aber durch den Wegfall von 16 Millionen Euro parlamentarischer Förderung der NPD allein in zwei Bundesländern in einer Legislatur wird die Verbreitung von Nazi-Gedankengut erschwert und die NPD öffentlich geächtet. Ich bin froh, dass die Innenminister der Länder mit dem Beschluss, auf V-Leute in der NPD zu verzichten, den Weg für ein NPD-Verbot frei gemacht haben. Ich hoffe, dass mit den Recherchen zur NSU-Terrorzelle auch weiterhin in der Öffentlichkeit die vielfache Verknüpfung von NPD-Kadern und NSU-Terroristen offengelegt wird und ein NPD-Verbot gelingt – im Namen der Nazi-Opfer gestern und heute. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen beim 47. Sachsenhausengedenklauf viel Erfolg.

Den Opfern des 2. Weltkrieges gedacht

12. Mai 2012

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung der VVN-BdA zum 08. Mai 2012 sprach der Landtagsabgeordnete der LINKEN Henning Foerster am Dienstagvormittag zu den Teilnehmern auf dem Platz der OdF.

In seiner Rede erinnerte der Linkspolitiker daran, dass die Völker der Sowjetunion den höchsten Blutzoll des 2. Weltkrieges zahlen mussten. Als Michael Gorbatschow nach 1985 die Archive öffnen ließ, wurde deutlich, dass neben 20 Millionen Soldaten auch noch einmal die gleiche Anzahl an zivilen Opfern zu beklagen war. Foerster erinnerte auch daran, dass die Führung des NS – Staates schlussendlich das eigene Volk in Geiselhaft genommen habe. So standen den 2,5 Millionen sowjetischen Soldaten, die im April 1945 zum Sturm auf die Hauptstadt des Deutschen Reiches antraten neben regulären Einheiten der Wehrmacht auch Kinder und alte Männer gegenüber. Der 8. Mai war und ist ein Tag der Befreiung. Dies gilt für die Völker, die seit 1939 von der deutschen Wehrmacht überfallen wurden ebenso, wie für die vielen Deutschen, die aufgrund ihrer politischen Überzeugungen in den Zuchthäusern und Konzentrationslagern litten, ganz gleich ob sie Kommunisten, Sozialdemokraten, Kirchenvertreter oder Gewerkschafter waren. Ihnen allen gilt unser Gedenken am 08. Mai 2012, so Foerster abschließend.

Mehrere Angriffe durch Neonazis in Anklam

12. Mai 2012

In Anklam wurden am Freitag Punks und nicht-rechte Jugendliche gejagt und verletzt. Seit Wochen kommt es in der Stadt zu gewalttätigen Attacken, Anschlägen und Bedrohungen durch Neonazis.

Am Abend des 4. Mai hat eine Gruppe vermummter Personen aus der rechten Szene in Anklam mehrere Menschen angegriffen und zum Teil erheblich verletzt. Bei den Angriffen sollen Schlagringe und Knüppel eingesetzt worden sein.

Offenbar aufgrund ihres Outfits wurden acht Menschen zunächst von mehr als einem Dutzend Neonazis durch die Innenstadt gejagt. Während sich ein Teil der Verfolgten noch in einen Hausaufgang in der Max-Sander-Straße retten konnte, wurde ein 24-Jähriger vor der Tür zusammengeschlagen. Der Angegriffene erlitt blutende Kopfverletzungen und war zeitweise bewusstlos. Er befindet sich noch in stationärer Behandlung im Greifswalder Krankenhaus.

An anderen Orten der Stadt gab es offenbar weitere Angriffe. Mindestens zwei Personen sollen mit zum Teil schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert worden sein.

Die Angriffe vom Freitag sind der Höhepunkt einer ganzen Reihe rechtsmotivierter Übergriffe und Bedrohungen in Anklam. So spielten sich bereits drei Wochen zuvor ähnliche Szenen in der Stadt ab. Am 12. April wurden gegen 18 Uhr mehrere nicht-rechte Jugendliche von einer Gruppe vermummter und bewaffneter Neonazis überfallen und verletzt. Andere wurden bedroht und mussten flüchten. In den vergangenen Wochen sollen Neonazis durch die Stadt patrouilliert und gezielt Wohnungen, in denen sie Punks vermuteten, aufgesucht haben. In der Nacht zum 4.Mai wurde zudem der Anklamer Demokratieladen zum Ziel eines Buttersäure-Anschlags.

Betroffene der Angriffe berichteten gegenüber den Beratern der LOBBI, dass unter alternativen Jugendlichen in Anklam ein Klima der Angst herrsche und die Bedrohungen weiter anhalten.

Der Beratungsverein für Betroffene rechter Gewalt LOBBI fordert eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Gewalttaten in Anklam und eine klare Solidarisierung mit den Opfern der Neonazi-Attacken. Wenn Neonazis Rollkommandos am helllichten Tag durch die Stadt schicken oder eine Einrichtung wie den Demokratieladen angreifen, muss mehr passieren als eine Meldung in der Zeitung. Die ohnehin selbstbewusst und skrupellos auftretende rechte Szene, dürfte sich bestärkt fühlen, wenn die Betroffenen ihrer Angriffe allein gelassen werden und es in der Stadt keine klare Positionierung gegen Neonazis gibt. http://www.lobbi-mv.de/presse/46.php

„Landwirte im Widerstand 1933-1945“ im Schweriner Schloss zu sehen

12. Mai 2012

Der Widerstand von Landwirten gegen das Naziregime ist Thema des Rostocker Autors und früheren Landwirts Gerhard Fischer. Seine vor zwei Jahren erarbeitete Wanderausstellung hat Fischer auf 90 Porträts und Berichte von Männern und Frauen erweitert, wie er am 8. Mai zur Eröffnung der Ausstellung im Schweriner Schloss sagte. Die Ausstellung ist bis zum 18. Juli in Schwerin zu sehen.

Mit der Ausstellung erinnert Fischer an jene Bauern, Gutsbesitzer, Agrapolitiker und Agrarwissenschaftler, die sich im Widerstand gegen Hitler beteiligten und dabei ihr Leben riskierten. Zu der Schau, die bereits in mehreren Bundesländern zu sehen war, ist ein Begleitheft mit Porträts von 90 Persönlichkeiten aus zwölf Regionen erschienen. Der Eröffnung der Ausstellung in den Räumen der Linksfraktion folgte eine Podiumsdiskussion. Gerhard Fischer wurde 1936 in Ostpreußen als Sohn eines Landwirtes geboren. Nach seiner Flucht fand er mit seiner Familie in Ribnitz-Damgarten eine neue Heimat, wo der Vater einen neubauernhof übernahm. Fischer studierte in Rostock Landwirtschaft und arbeitete in Volkeigenen Gütern und einem Saatzuchtbetrieb. Fischer will mit der Ausstellung an die Männer und Frauen des Widerstandes gegen das Nazi-Regime erinnern und vor der Verbreitung faschistischen Gedankengutes warnen. Seit 1966 erforscht er Biografien auf dem Lande und gibt den in der Geschichtsschreibung oft wenig betrachteten Bauern ein Gesicht .

Ausstellung Neofaschismus in Deutschland

12. Mai 2012

13.05.2012

Ausstellung Neofaschismus in Deutschland

13. April – 18. Mai

Sonntag, 13. Mai 2012, täglich geöffnet von 09-16 Uhr

Stralsund, Alter Markt 7, Grünes Büro

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Sonntag, 13. Mai 2012, täglich geöffnet von 09-16 Uhr Stralsund, Alter Markt 7, Grünes Büro

Von Arisierung bis Zwangsarbeit

12. Mai 2012

Von Arisierung bis Zwangsarbeit – Verbrechen der Wirtschaft an Rhein und Ruhr 1933 bis 1945PapyRossa Verlag, 347 Seiten, 18 s/w-AbbildungenISBN 978-3-89438-489-0, EUR 16,90 [D]

Zum Beispiel Krupp. Der Konzern habe sich stets um einen humanen Kapitalismus bemüht, berichtete das Fernsehen zum 200jährigen Firmenjubiläum. Ob da auch an die zwölf Jahre nach 1933 gedacht war? Das letzte Tabu sei gebrochen, hatte es mit Blick auf die verdienstvolle Ausstellung »Verbrechen der Wehrmacht« geheißen. Aber »blinde Flecken« blieben trotzdem. So in einem Bereich, der weniger lautstark diskutiert wird, jedoch mindestens ebenso wichtig war für die Funktionsweise der faschistischen Herrschaft in Deutschland wie die Wehrmacht: Die Rolle von Wirtschaftsführern und Unternehmen bei faschistischen Planungen für Krieg und Massenmord, als Akteure und insbesondere als Profiteure. Das Buch stützt sich auf selbstrecherchiertes Material von Geschichtswerkstätten und VVN-BdA, um an Verbrechen der wirtschaftlichen Eliten an Rhein und Ruhr zu erinnern: Von Abs bis Zangen, von Flick bis Quandt, von IG Farben bis Oetker-Pudding, von Arisierung bis Zwangsarbeit. Und auch Krupp wird nicht vergessen.

Nordkonferenz in Heideruh 2012

geschrieben von Raimund Gaebelein

11. März 2012

Als Meinungsfreiheit verkauft

Am Puls der Zeit war die Nordkonferenz auch am diesjährigen 25./26. Februar 2012. Mit Yves Müller, Mathias Wörsching (beide Verein für demokratische Kultur in Berlin) und Alexander Häusler (Arbeitsstelle Neonazismus FH Düsseldorf) standen am Samstag drei kenntnisreiche und engagierte Referenten zum Schwerpunkt Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus im politischen Raum zu Diskussionen bereit.

Deutlich wurde, dass die NPD und die mit ihr verbundenen Kameradschaften nicht das Monopol auf Verbreitung extrem rechten Denkens halten. Mit flächendeckender Verbreitung und ihrer militanten Vorgehensweise können sie allerdings derzeit weitaus größere Erfolge erzielen. In Berlin konnten sie sich in vier Bezirksverordnetenversammlungen festsetzen. Ihnen haftet der Geruch an, Kümmerer-Partei zu sein, Sorgen in Alltagsfragen aufzugreifen. Sieht man genauer hin, so verflüchtigt sich dieser Eindruck sehr bald, denn in der täglichen Ausschussarbeit wird man sie vergeblich suchen. Beliebte Themen neonationalsozialistischer Gruppen sind Forderungen nach Wegsperren von Kinderschändern, Beschränkung von Sozialleistungen auf Deutschstämmige, Sperrung von Geldern für autonome Jugendprojekte, Gedenken an Kriegsverbrecher mit sog. Roten Stolpersteinen, Platzbenennung nach Waldemar Pabst, dem Verantwortlichen für die Morde an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Dagegen reagieren demokratische Parteien in der Regel fast ausschließlich mit Änderungen der Geschäftsordnung und formaler Zurückweisung der Anträge. Das unbestritten notwendige Verbot der NPD würde zweifellos die aggressiv demokratiefeindliche Verbreitung faschistischer Sozialdemagogie zurückdrängen.

Kulturreligiös daherkommende globalisierungsfeindliche Haltungen aus der Mitte der Gesellschaft bedienen sich allerdings auch anderer Varianten autoritätshörigen Staatsverständnisses. Bewegungen wie PRO-Deutschland, Schill-Partei, Bürger in WUT, Pro-DM, auch die REPs kommen als rechtskonservative Bewahrer daher und bestärken Ängste vor einem Abstieg des kleinen Mittelstandes in einer veränderten Weltsituation. Anders als gleichgesinnte Bewegungen in den europäischen Nachbarländern vermögen sie die hohe Akzeptanz etlicher ihrer Argumente nicht in Wählerstimmen umsetzen. Das geht vermutlich auf die immer noch recht hohe Tabuschwelle zurück als Ergebnis der Niederlage des Faschismus und Rechtskonservatismus im Zweiten Weltkrieg. Größere Ost-West-Unterschiede sind nicht zu erkennen, wie Alexander Häussler darlegte. Ausgrenzung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung 1933/45 führen bis heute zu einer Ablehnung neonationalsozialistischer Gruppierungen. Der moderne Rassismus führt kulturreligiöse Ausgrenzungsgründe an, ist vorwiegend gegen den muslimischen Teil der Bevölkerung gerichtet. Sarrazins Thesen sollten zum Dammbruch werden, konnten aber nur begrenzt Wirkung entfalten und wurden durch die Morde in Norwegen und die Aufdeckung der sog. Zwickauer NSU-Zelle in der öffentlichen Diskussion in den Hintergrund gedrängt. Die Schweizer Kampagne gegen den Minarettbau wurde mehrfach in verschiedenen Bundesländern nachgeahmt, konnte aber aufgrund vehementer Ablehnung breiter Demokratiebündnisse keine Erfolge einfahren. Im Anschluss an eine spannende Diskussion um Handlungskompetenz in der Abwehr extrem rechter und faschistischer Propaganda und Aktivitäten schloss sich ein Vortrag von Bernd Meimberg zur Zuspitzung der Sicherheitslage im Mittleren Osten an. Hingewiesen wurde auf die Propagierung eines Szenarios, wie es schon bei der Bombardierung Jugoslawiens und Libyens abgespielt wurde. Zu Unrecht wurde auch jetzt wieder die UN-Charta als Begründung für Kriegsvorbereitungen gegen die Regierungen Syriens und Irans bemüht.

Der Abend war gefüllt von Achim Bigus’ Programm mit Liedern aus dem Spanischen Bürgerkrieg, das alle in Bann zog und zum Mitsingen einlud. Sonntagvormittag stand unter dem Vorzeichen einer Würdigung der Arbeit der VVN mit einem Bilder-Vortrag unseres Kameraden Ulrich Sander. Eine Öffnung der Vereinigung gegenüber der nachfolgenden Generation erfuhr die Organisation schon in den 50er Jahren mit der Einbeziehung der Kinder des Widerstands. Ausführlich wurde die Notwendigkeit der VVN-Gründung März 1947 in Frankfurt/Main belegt und die jahrelangen Versuche, sie zu verbieten und führende Mitglieder durch Berufsverbote in ihrer Existenz zu beschneiden. Ihre antimilitaristischen Aktivitäten belegen, daß der Friedensarbeit durchgängig dieselbe Bedeutung zukommt wie der antifaschistischen Arbeit. Der Kampf um gerechte Entschädigung für Haftschäden und Zwangsarbeit ist ein weiteres Feld politischer Tätigkeit der VVN. Zum Abschluss der diesjährigen Nordkonferenz wurden einige Festlegungen für die Arbeit bis zur nächsten Konferenz getroffen. Die Internetseite der Neofa-Kommission Küste wurde im vergangenen Jahr rund 11.000-mal aufgerufen. Beiträge aus Bremen und Schleswig-Holstein könnten häufiger eingestellt werden, dort gibt es allerdings anders als in Mecklenburg-Vorpommern eine regelmäßig erscheinende Mitgliederzeitung. Ein echter Gewinn wäre eine Verankerung des antifaschistischen Umlandes von Heideruh in die Arbeit der Kommission. Die Nordkonferenz sollte ihre Spuren auch in den Länderseiten der ANTIFA lassen. Etwas unklar blieb, wieweit die Themenstellung für die Nordkonferenz schon zwölf Monate im Voraus festgelegt werden könnten, wichtig um gute Referenten zu gewinnen. Auf dem Wunschzettel stehen globaler Antisemitismus, Globalisierungsängste/Soziale Demagogie, Zukunftsentwurf Antifaschismus.

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