Landtagswahlen in ostdeutschen Flächenländern
23. September 2026
In Sachsen-Anhalt (43 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (38 Prozent) ist die AfD bei den Landtagswahlen stärkste Partei geworden ohne die beabsichtigte absolute Mehrheit als alleinige Regierungspartei erzielen zu können. Da in beiden Ländern keine Partei mit ihr koalieren will, wird sie wohl stärkste und in Mecklenburg-Vorpommern einzige Opposition im Landtag werden.
Die Wahlbeteiligung lag in Mecklenburg-Vorpommern bei 78 Prozent, nur ein Prozent unter der höchsten Wahlbeteiligung bei einer Landtagswahl 1998. In Mecklenburg-Vorpommern musste die AfD als Stärkste Partei mit 32 Sitzen im Landtag bereits am Tag nach der Wahl ihren Regierungsauftrag aufgeben. Sie hatte ihren Zuwachs vor allem aus 67.000 von insgesamt 100.000 ehemaligen Nichtwählern generiert, flankiert durch die Abwanderung von ehemals, 47.000 SPD-Wählern, 30.000 CDU-Wählern, 18.000 FDP-Wählern und 9.000 Linke-Wählern. In einer fulminanten Aufholjagd hatte die SPD ihre Wahlprognose von vor einem Jahr mit erzielten 35 Prozent fast verdoppelt, zu Lasten des bisherigen Koalitionspartners Die Linke, die ein Drittel ihrer Wähler im Duell der „Frau gegen Blau“ gegen AfD-Herausforderer Leif-Erik Holm verlor. Die CDU fliegt erstmals in ihrer Geschichte aus einem Landtag, auch das BSW verpasste den Einzug ins Parlament ebenso wie die Ein-Prozent-Partei FDP. Verluste mussten auch die Grünen hinnehmen, die nun mit den Linken mit jeweils fünf Landtagssitzen zusammen mit der SPD die AfD als einzig verbliebene Opposition im Landtag um sieben Sitze überragen und eine stabile Regierung für fünf Jahre bilden können. Dabei hat die grüne Spitzenkandidatin Claudia Müller als ehemalige Staatssekretärin im Bund ebenso Ministerinnen-Chancen mit grüner Handschrift wie Die Linke wohl ein Ministerium verlieren wird. Das Land ist nach der Wahl gespalten. Die SPD hatte in fast allen Städten ab 40.000 Einwohnern die Wahl gewonnen, aber die AfD die überwiegenden Mandate im restlichen Land für sich entschieden, in Vorpommern teilweise mit Werten über 50 Prozent. Wen die AfD aufstellte spielte vielerorts kaum eine Rolle. In Rostock lag ein AfD-Kandidat und verurteilter Bankräuber mit dem dreifachen Wahlergebnis vor CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters. Neben dem bisherigen Fraktionschef Enrico Schult zieht auch Thore Stein aus dem völkisch-nationalistischem Netzwerk der Partei gestärkt in den Landtag. Er wird vom rechtslastigen Kreisverband Rügen um Ex-NPD-Kader Daniel Seifert unterstützt. Vieles spricht dafür, dass die bisher eher gemäßigte AfD als einzige Oppositionspartei im Landtag weiter nach rechts rücken wird. Zugleich besitzt sie im Landtag die Sperrminorität und beansprucht schon jetzt den Landtagsvorsitz. Den verweigert ihr die SPD mit Noch-Landtagspräsidentin Birgit Hesse bereits im Vorfeld mit guten Aussichten für diese anstehende Personenwahl. Derweil wird die AfD in den kommenden Jahren mit viel Einfluss und Geld ihre Positionen im Land absehbar ausbauen können.


